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Exercitium Paedagogicum

KWMBl. I 2004 S. 430


2238-K
Exercitium Paedagogicum
Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums
für Unterricht und Kultus
vom 28. Oktober 2004 Az.: III.8 - 5 S 4020 - PRA.102 327
Das Exercitium Paedagogicum ist ein Projekt der Stiftung Bildungspakt Bayern und des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus in Kooperation mit ausgewählten Universitäten, an dem Lehramtsstudierende auf freiwilliger Basis teilnehmen können.
Das Projekt verfolgt zwei Ziele: Zum Ersten soll durch die engere Verbindung von Theorie und Praxis die Qualifizierung angehender Lehrerinnen und Lehrer verbessert werden, zum Zweiten sollen die Lehrkräfte in ihrer täglichen Unterrichts- und Erziehungsarbeit Unterstützung erhalten.
Das Exercitium Paedagogicum dient einer intensiveren Praxisbegegnung mit dem späteren Berufsfeld. Es bietet Studierenden die Chance, sich rechtzeitig mit der Realität des Lehrerberufes vertraut zu machen und zugleich ihre Berufsentscheidung zu überprüfen. Der Schwerpunkt liegt auf der individualpädagogischen Orientierung. Im Exercitium Paedagogicum können Studierende aber auch umfassende Unterrichtserfahrungen sammeln.
Das Exercitium Paedagogicum besteht aus zwei Teilen: einer Vorbereitungs- und einer schulpraktischen Phase.
Die zweisemestrige Vorbereitung an der Universität ist die Grundlage für das Exercitium Paedagogicum; so können im Praktikum fachwissenschaftliche, fachdidaktische und pädagogische Erkenntnisse schulartspezifisch reflektiert werden. Sie erfolgt im Rahmen des Kerncurriculums in den Fächern Allgemeine Pädagogik, Psychologie und Schulpädagogik in Grundkursen. Alle Kursangebote orientieren sich an einer möglichst engen Verzahnung von Theorie und Praxis.
Die Studierenden aller Lehrämter sollen in den ersten beiden Semestern in diesen Grundkursen mit den Aufgabenfeldern einer Lehrkraft vertraut gemacht werden, um sich wichtige Grundlagen für schulpraktische Erfahrungen aneignen zu können. Schwerpunkte für die Lehrveranstaltungen sind Theorien des Unterrichts, Unterrichtsprinzipien (z.B. Differenzierung/Individualisierung, Motivierung und Aktivierung), Unterrichtsqualität, pädagogische Reflexionen im Umgang mit Schülern (insbesondere Diagnosefähigkeit), Kooperation von Elternhaus und Schule, Klassenmanagement sowie die Gestaltung des Schullebens.
Die Studierenden reflektieren die behandelten theoretischen Inhalte in Bezug auf ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten (Erziehungsstil, Erziehungsziele, Führungsverhalten, subjektive Stärken und Schwächen etc.). Mehrmalige Praxisbegegnungen im ersten und zweiten Semester bieten die Möglichkeit zu ersten eigenen Unterrichtsversuchen.
Teilnehmer am Exercitium Paedagogicum werden in ihrer Kompetenzentwicklung von Schule und Universität individuell unterstützt
Den Studierenden wird während der Zeit des Praktikums der Status eines Unterrichtsassistenten verliehen. Damit können sie mit Unterstützung der zuständigen Lehrkraft z.B.
-
Klassen oder Lerngruppen betreuen
-
neue Konzepte in den Unterricht einbringen und erproben
-
Übungseinheiten mitgestalten
-
eigene Unterrichtsversuche durchführen
-
Organisationsaufgaben übernehmen
-
als Mitglied der Schulfamilie am Prozess der Schulentwicklung aktiv teilnehmen.
Die Gesamtverantwortung für das Geschehen in der Klasse bleibt bei der jeweiligen Lehrkraft.
Im Rahmen des Exercitium Paedagogicum müssen in den universitären Lehrveranstaltungen Leistungsnachweise erbracht werden. Während des Praktikums dokumentiert der Praktikumsteilnehmer seine Tätigkeit anhand von Begleitmaterialien. Über Einzelheiten gibt die jeweilige Universität Auskunft.
Das Exercitium Paedagogicum ist bezüglich der Teilnahme freiwillig und auf einen ausgewählten Kreis begrenzt; es ersetzt bei den gemeldeten Teilnehmern das schulpädagogische bzw. das schulpädagogisch-fachdidaktische Blockpraktikum. Es startet zum Wintersemester 2004/05 vorerst als Pilotphase an den Universitäten Passau, Augsburg, Regensburg und an der Technischen Universität München in Kooperation mit ausgewählten Projektschulen. Studenten der Universität Passau beginnen mit der Praxisphase an den Schulen bereits ab dem Schuljahr 2004/05.
Das Exercitium Paedagogicum wird als Teilmodul jedes Semester angeboten und in seinem praktischen Teil im zweiten Studienjahr in einen Umfang von 250 Stunden abgeleistet, entweder im Block oder einen Tag wöchentlich. Es ist als Praxismodul lehramtsspezifisch ausdifferenziert.
Das Exercitium Paedagogicum soll Richtung weisend sein für ein künftiges noch stärker praxisorientiertes Lehramtsstudium in Bayern und wird intern und extern evaluiert.
Erhard
Ministerialdirektor