in Kraft ab: 18.02.1999

4.  Gestaltung des Unterrichts

Der Unterricht geht von den Lehrplänen der von den kranken Schülern besuchten Schularten und Jahrgangsstufen aus. Der Unterricht ist häufig Einzelunterricht, wird auch als Gruppenunterricht durchgeführt oder ist Unterricht in einer Klasse.
Bedingt durch die jeweilige Krankheit und die jeweiligen medizinischen Maßnahmen kann mit einem Schüler unter Umständen nur mündlich oder ausschließlich schriftlich gearbeitet werden.
Für Schüler an Grundschulen und Hauptschulen bilden die Unterrichtsfächer Deutsch, Mathematik und die Unterrichtsfächer des Sachunterrichts Schwerpunkte. Bei Berufsschülern und Berufsfachschülern beschränkt sich der Unterricht auf die allgemein bildenden und fachtheoretischen Fächer. Für Schüler anderer Schularten müssen neben Deutsch und Mathematik andere Unterrichtsfächer vordringlich erteilt werden. Jede Schulart wird ihre Vorrückungsfächer als vorrangig ansehen. Nach Möglichkeit wird wegen der therapiestützenden Wirkung auch musiziert und geeignete Literatur einbezogen. Soweit durch Therapie ähnliche Ziele wie durch den Unterricht angestrebt werden, kann auf den Unterricht in diesem Fach verzichtet werden. Auch die Unterrichtsfächer Religionslehre und Ethik sowie praktische und musische Fächer sollen in angemessenem Umfang einbezogen werden. Im Religionsunterricht soll die Schule für Kranke eng mit der Krankenhausseelsorge zusammenarbeiten.
Krankheiten und ihre Symptome behindern den Unterrichtsverlauf in unterschiedlichem Maße. Krankheit kann von Schmerzen, Müdigkeit, Schwäche oder Medikamentennebenwirkungen begleitet sein. Spezifische Schwierigkeiten ergeben sich für Schüler, die liegen müssen und bewegungsunfähig sind. Bei manchen Patienten stellen sich Aggression und Resignation ein, wenn Anforderungen nicht angemessen sind und nachlassende Schulleistungen als schmerzlich empfunden werden. Der Unterricht hat oft den diagnostischen und therapeutische Maßnahmen den Vorrang zu geben, Störungen in Kauf zu nehmen, die durch medizinisch-technische und andere Behandlungsformen bedingt sind; er muss gelegentlich kurzfristig verlegt oder nachgehalten werden. Längerfristige Lernplanung ist manchmal nicht möglich.
Didaktische Prinzipien haben im Unterricht der Schulen für Kranke hohe Bedeutung für erfolgreiches Lernen:
Individualisierung und Differenzierung kennzeichnen den Unterricht. Krankenhausunterricht berücksichtigt nicht nur das Lernvermögen sondern auch die aktuelle Befindlichkeit der kranken Schüler.
Selbsttätigkeit schafft Möglichkeiten, vermehrtes Selbstlernen zu erreichen. Unterricht in heterogenen Gruppen, mit unterschiedlichen Schulbüchern, mit individuellen Anforderungen kann durch Selbsttätigkeit besser verwirklicht werden. Dies erfordert eine entsprechende Versorgung mit Unterrichts- und Übungsmaterialien und geeigneten Lernhilfen.
Gegenseitiges Helfen und Förderung der Gemeinschaft tragen im Unterricht dazu bei, dass kranke Schüler so oft wie möglich sich gegenseitig unterstützen und auch Vereinzelung in Leid und Schmerz aufbrechen.
Exemplarisches Lernen ermöglicht Entlastung von Stofffülle sowie Konzentration auf wesentliche Lernziele und Lerninhalte.
Ganzheitliches Lernen vermag am besten Unterricht und Krankheitssituation zu berücksichtigen. Ganzheitlicher Unterricht bietet den Schülern Gelegenheit, im Erlebnisrahmen des Krankenhauses die Lernziele angemessen zu erreichen.