Inhalt

2.  Sonderpädagogischer Förderbedarf

Sonderpädagogischer Förderbedarf ist bei Kindern und Jugendlichen anzunehmen, die aufgrund ihrer körperlichen und motorischen Ausgangslage in ihren Bildungs-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten so beeinträchtigt sind, dass sie im Unterricht der allgemeinen Schule ohne sonderpädagogische Unterstützung nicht hinreichend gefördert werden können. Dazu können medizinisch-therapeutische, pflegerische, technische, psychologische, soziale Kompetenzen und auch entsprechende Hilfen außerschulischer Maßnahmenträger notwendig sein. Hierbei ist eine Abstimmung der verschiedenen Maßnahmen und Hilfen anzustreben, deren Ergebnis in ein pädagogisches Förderkonzept eingearbeitet werden soll. Sonderpädagogischer Förderbedarf ist auch in Abhängigkeit von den Aufgaben und den Anforderungen sowie im Zusammenhang mit den Fördermöglichkeiten der jeweiligen Schule unter den konkreten schulischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten zu sehen.
Ausprägung und Grad der körperlichen und motorischen Beeinträchtigungen sowie deren weitere Auswirkungen, die Ergebnisse der bisherigen Förderung, weitere Beeinträchtigungen und nicht zuletzt die Gegebenheiten des Umfeldes bestimmen den individuellen Förderbedarf. Der sonderpädagogische Förderbedarf wird im Rahmen einer breit angelegten interdisziplinären Verlaufsdiagnostik erhoben. Dabei sind die Voraussetzungen und Möglichkeiten der elementaren Entwicklungsbereiche der Motorik, Sensorik, Emotionalität, Kognition, kommunikativ-sprachlichen und sozialen Kompetenz in die Kind-Umfeld-Analyse einzubeziehen.
Je nach körperlicher und motorischer Beeinträchtigung ist es nötig, technische Hilfen, wie Schreib- und Zeichenhilfen, Computer und prothetische Hilfen, einzusetzen. Die Schule muss in baulich-räumlicher Hinsicht so ausgestattet sein, dass die behinderten Schülerinnen und Schüler die Unterrichtsräume, wie auch die Gemeinschaftsräume und die sanitären Einrichtungen, möglichst selbstständig erreichen und sich darin bewegen können.
Die sonderpädagogische Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich der körperlichen und motorischen Entwicklung ist zu ergänzen durch andere Fachkompetenzen, z.B. aus der Physio- und Ergotherapie, Logopädie, Sozialpädagogik und aus der Pflege, die das Konzept der Erziehung und des Unterrichts interdisziplinär erweitern und deren Tätigkeiten auch unterschiedlichen Maßnahmeträgern zugeordnet sein können. Auch wenn unterschiedlich ausgebildete Fachkräfte eingesetzt sind, müssen sich für die Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen fachlichen Sichtweisen in einem einheitlichen Erziehungs- und Unterrichtskonzept darstellen.
In wachsendem Maße stellen Kinder und Jugendliche mit schweren Mehrfachbehinderungen besondere Anforderungen an eine individuelle Förderung. Sie sind in mehreren Entwicklungsbereichen beeinträchtigt und brauchen in der Regel körperliche Nähe, um andere Menschen und Dinge wahrnehmen und mit ihnen in Beziehung treten zu können. Sie benötigen Menschen, die ihnen die Umwelt auf eine elementare Weise vermitteln, die ihnen Lageveränderung und Fortbewegung ermöglichen. Sie brauchen Bezugspersonen, die sie in ihren individuellen Ausdrucksformen auch ohne Lautsprache verstehen. Deshalb müssen verschiedene Förderschwerpunkte berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden. Durch basale Förderung werden alle Sinne, wie die Tiefensinne, die Sinne der Haut, des Geruchs, des Geschmacks, des Gesichts, des Gehörs und des Tastens angesprochen. Sie ermöglicht Entwicklung und eröffnet ihnen in einem dialogischen Prozess Zugang zu Bildungsinhalten. Die Gestaltung des Tagesablaufs mit Unterricht, Therapie-, Pflege- und Ruhephasen ist den besonderen Entwicklungs- und Lernbedürfnissen sowie dem Lebensrhythmus anzupassen.
Die besondere Lebenssituation von Schülerinnen und Schülern mit fortschreitenden Erkrankungen und mit begrenzter Lebenserwartung erfordert eine intensive pädagogische Begleitung auf der Suche nach Möglichkeiten einer sinnvollen Lebensgestaltung und der Befriedigung der aktuellen Bedürfnisse. Einige können aufgrund der speziellen Beeinträchtigung nicht regelmäßig die Schule besuchen und erhalten ggf. Hausunterricht. Das Unterrichtsangebot muss der jeweiligen Bedürfnislage der Schülerin bzw. des Schülers angepasst werden.